Folgender Artikel wurde von mir auf pamaxx.de am 21.03.2007 veröffentlicht.
März 2007: Das Internet gehört bei vielen Menschen inzwischen genauso zum Alltag wie das Telefon oder der Fernseher. Ob E-Mails, Benutzervideos oder multilinguale Diskussionsplattformen, das World Wide Web bietet nahezu unendlich viele Möglichkeiten für Privatanwender und Unternehmen. Doch dies alles ist bereits bekannt, was wartet in der Zukunft auf uns?
In den Medien ist in den vergangenen Monaten viel vom „neuen“ Web 2.0 zu hören gewesen. Nicht mehr das statische HTML-Dokument, sondern komplexe dynamische Portale mit Benutzerinhalten seien z.B. laut der Welt Kompakt nun die gefragten Webseiten. Dabei wirken die sonst so passiven Surfer nun aktiv an der Gestaltung der Seiten mit – was für die eigentlichen Betreiber eine enorme Zeitersparnis bedeutet. E-Mails, Onlinevideoplayer, Multimedia zum Herunterladen, Liveübertragungen aus fernen Ländern und große Wissensdatenbanken sind dank der großen Userbeteiligung so zum Leben erwacht und überraschten so manchen Skeptiker. Längst ist das Internet von den Leuten und Betrieben als Medium Nummer eins anerkannt worden und dementsprechend schnell arbeitet man an neuen Konzepten, um immer wieder neue Besucher für sein eigenes Projekt zu gewinnen.
All diese Bemühungen laufen darauf hinaus, Teile des normalen Lebens zu ersetzen, komfortabler zu gestalten oder unweigerlich bestehende Medien zu verschlingen.
Fernsehen als Webcontent - In Japan ist man dabei, dem Handynutzer mobiles Fernsehen zu ermöglichen. Gelingt es hier, ein geeignetes Komprimierungsformat zu finden, könnte diese Idee auch für das Internet übertragbar sein. Längst hielten schnelle Breitbandanbindungen in die meisten Haushalte Einzug, somit ist der Grundstock für die Onlineübertragung konventioneller Fernsehsender gelegt. Künftig könnte der Surfer beispielsweise bequem am Fernseher zwischen Tausenden Kanälen aus aller Welt wählen und diese dank DVD- oder BlueRay-Recorder aufnehmen. Dabei ist es nicht undenkbar, dass in wenigen Jahrzehnten das Internet die bisherigen TV-Übertragungswege vollständig ablöst. In diesem Falle wären unzählige Streitereien auf Grund von belastenden Sendemasten passé, auch die nicht ganz so billigen Satellitenschüsseln wären so überflüssig. Am Ende hätten sowohl der Kunde, als auch das Unternehmen gewonnen.
Des Weiteren bringt das Streaming-Fernsehen noch einige andere Vorteile mit sich. Endlich könnten Statistiker auf einstellige Zahlen genau festhalten, wie groß die Zuschaueranteile einzelner Fernsehsendungen sind. Ungenaue Hochrechnungen würden so exakten Feststellungen weichen. Und auch in Sachen Kindersicherheit hätten Eltern endlich eine hundertprozentige Kontrolle über das, was ihre Kinder nachmittags sehen, wenn sie nicht zu Hause sind. Über genaue Beschreibungen und Alterseinstufungen der Programme könnten Kindersicherungssoftware gezielt bedenkliche Inhalte nur mit einer Art Passwort zeigen. In Vergleich zu Heute wäre dies ein wahrer Fortschritt, welcher langwierige Diskussionen über Gewalt und Erotik im TV ein Ende setzen müsste.
Telefonieren mit Communityfunktionen - Immer mehr Menschen steigen meist wegen der günstigen Tarife auf die Internettelefonie „Voice Over IP“ um. Doch nicht nur die Preise, sondern auch komplett neue Funktionen können in den nächsten Jahren für sehr viele neue Kunden sorgen. Wenn Bekannte ebenfalls auf das digitale Telefonieren umgestiegen sind, könnte man beispielsweise eine Art „Buddy“-Funktion in die Geräte integrieren, wie es bei Onlinecommunities der Fall ist. Der Benutzer könnte so sehen, welche seiner Freunde aus der eingespeicherten Telefonliste gerade zu Hause sind, telefonieren oder nicht erreichbar sein wollen. Dies kann nicht nur vergebliche Anrufsversuche, sondern auch unnötige Mehrkosten verhindern. Eine solche Vernetzung der Benutzer brächte des Weiteren auch die Möglichkeit mit, bequem bestimmte Dateien zwischen den Telefonen auszutauschen. So müsste man nicht erst umständlich ein Faxgerät kaufen oder über den Onlineanbieter kostenpflichtig Faxe versenden, sondern könnte diese einfach schnell in das lokale Gerät eintippen und anschließend versenden. Eine Art lange SMS, an die auch noch Bilder, Videos oder Audiodateien angehängt werden können. Das Telefon zu Hause würde so als „Home-Handy“ fungieren und wieder einmal Zeit sowie Geld sparen.
Neue Chancen für Schulen und alle, die dort hingehen sollten – Bildungseinrichtungen aller Welt könnten sich bei einem Internet der Zukunft ebenfalls etlicher neue Möglichkeiten erfreuen. Die kranken, zu Hause gebliebenen Schüler könnten z.B. am heimischen PC den Unterricht dank Live-Übertragung mitverfolgen, und auch behinderte junge Menschen hätten so die Chance, online die Stunden anzusehen. Vielleicht entstände so auch eine Schule, bei der die Schüler von zu Hause aus gezielt einzelne Unterrichtsblöcke herunterladen und sich so die Zeit frei einteilen könnten – auch Nachhilfe wäre so bequem zu jeder Zeit (auch als Bezahlangebot) möglich. Überfüllte Klassenräume, gestresste Lehrer und viel zu hohe Schulkosten würden so der Vergangenheit angehören, wobei der Onlineunterricht wohl nur bei Schülern ab einem gewissen Alter und genug Selbstdisziplin erfolgreich wäre. Dank Webcam und Videokonferenzen könnten die Lehrer aber ständig mündliche Kenntnisse der Lehrlinge abfragen, was somit eine gewisse Kontrollmöglichkeit einräumt.
Ein weiteres Kapitel beschreibt das Lernen von Sprachen, so muss man heute noch Einrichtungen besuchen, bei denen Sprachlehrer einem Grammatik, Rechtschreibung und ins Besondere Aussprache beibringen. Auch hier könnten besagte Institute Unterricht über das Internet anbieten, so dass Interessierte in Arbeitspausen oder kurz vor dem Schlafengehen gemütlich dazu lernen können.
Lebensmittel per Knopfdruck - Dank umfangreicher Vernetzung aller Gebäude in der Stadt wäre eine Realisierung von Onlineshops für Supermärkte denkbar. Wie schön wäre es doch, könnte man von zu Hause aus per Mausklick Lebensmittel bestellen und diese noch am gleichen Tag geliefert bekommen. Lange Schlangen aus klumpigen Einkaufswagen vor der Kasse und nerviges Warten würden so durch effizientes Shopping abgelöst werden, besonders für ältere und körperlich behinderte Menschen wäre dies eine große Erleichterung. Doch auch hier müssen die Grundpfeiler von den Unternehmen gesetzt werden.
Printmedien im Museum? - Das Internet der Zukunft bringt leider auch einige Nachteile für die Druckpresse mit sich. Es gibt immer mehr Webseiten, die Nachrichten, Artikel und unterhaltsame Erzählungen nur noch online anbieten, besonders beliebt ist hier das E-Book im PDF-Format. Kommt es also dazu, dass Zeitungen, Nachrichtenmagazine und Klatschblätter nicht mehr gekauft werden? Schließlich sind aktuelle Themen stets erst im Internet und erst am nächsten Tag auf dem Papier zu finden.
Die Publizisten von Printmedien müssen sich hier einiges einfallen lassen, um die Leserschaft auch weiterhin im nicht-digitalen Leben an sich zu binden – denn Bezahlnews wird keiner kaufen, da zu viele Webseiten den gleichen aktuellen Content kostenlos anbieten. Nur noch dicke Bücher könnten sich noch gut in Druckform verkaufen, sollte es bis dahin noch kein digitales Gerät zum Mitnehmen geben, auf dem sich beispielsweise lange Romane ohne Anstrengung und komfortabel unterwegs lesen lassen.
Es könnte so werden! - Vor einigen Jahren hat es die Wirtschaft und Politik verpasst, das neue Medium Internet rechtzeitig für sich zu entdecken. Dies darf in Zukunft nicht passieren, wenn das in diesem Artikel beschriebene Internet entstehen soll. Die technischen Vorraussetzungen sind im Jahr 2007 erfüllt, nun müssen die Unternehmen sich wandeln und dem User preisgünstig anbieten, was er haben möchte. Man kann sich sicher sein, dass auf diesem Wege eine kleine digitale Revolution statt finden wird.