Der Killerspiele-Populismus

Kategorie: Artikel, Sonstiges     Autor: lin0x     Datum: Sonntag 15 März 2009     Uhrzeit: 14:55          

Nach dem grausamen Ereignis von Winnenden melden sich erneut Politiker mit einem Verbot von Horrorfilmen und Killerspielen zu Wort. So berichtete beispielsweise Golem.de am 13.03.2009 von der  bayerischen Justizministeri Beate Merk (CSU):  “Gewaltspiele und Horrorfilme spielen bei fast allen Amokläufen junger Menschen eine Rolle. Zu sagen, Computerspiele und das Fernsehen sind alleine schuld daran, wäre viel zu einfach. Aber man darf und muss die Frage stellen: Braucht unsere Gesellschaft aggressive Gewaltspiele und exzessive Gewalt im Fernsehen? Meine klare Antwort: Auf diesen menschenverachtenden Schund können wir verzichten.” 

Auch der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) trug bei einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt seinen Teil zur neu aufgeflammten Debatte bei: ”Killerspiele sind schlicht abartig und sollten komplett verboten werden”.

Wer des Weiteren die politischen Talkshows und Nachrichten verfolgt hat, konnte sich mehrmals täglich über (wahrscheinlich) unüberlegte Äußerungen freuen, so mancher “Experte” verlier sich hier im puren Populismus und forderte mit mehr oder weniger schlüssigen Argumenten lautstark Verbote an allen Ecken.

Wenn man diese Linie weiter verfolgt, müsste man ja schon fast zu dem Schluss kommen, dass ein Verbot von erotischen und pornographischen Inhalten in allen Medien dazu führen könnte, dass die Anzahl der Sexualstraftaten sinkt. Oder, dass ein Verbot von “gewalttätigen” Sportarten – wie beispielsweise American Football – die Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft senkt.

 

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Bilderquelle: DPA/N24.de


Ich persönlich ziehe aus all diesen Diskussionen jedoch meine eigenen Schlüsse: Allzu oft führen die Äußerungen zur Medienzensur an den eigentlichen Ursachen vorbei. So hätte im Fall der jüngsten Ereignisse ein sog. “Killerspieleverbot” keine Wirkung gehabt, so lange der Vater des Täters eine Waffe unbeaufsichtigt im eigenen Wohnhaus herum liegen lässt.

Auch im Fall des Robert Steinhäusers, der laut ersten Medienberichten nach der Tag angeblich in Counter Strike “Frauen mit Kinderwägen” nieder gestreckt hatte, sind die Ursachen wohl nicht in Computerspielen zu suchen. Vielmehr häufen sich in vielen Fällen die Anzeichen, dass sich bei dem Täter im Laufe der Jahre eine riesige Wut im Bauch angesammelt hat, die mit dem Ammoklauf ein trauriges Ventil fand.

De Fakto würde eine Medienzensur sogar dazu führen, dass alleine in Deutschland zehntausende von jungen Menschen kein digitales Ventil mehr zur Verfügung hätten, denn jeder Zocker weiß, dass besonders Videospiele eine Abwechslung zum Alltag und somit auch Ventile bieten können. Wären diese Ausgleiche nicht mehr vorhanden, so könnten sich erst Recht Wut und Ärger anstauen, die dann anderweitig rausgelassen werden müssen.

 

In meinen Augen müssen also ganz andere Ansätze gefunden werden, damit man sich überhaupt sachlich mit dem Problem der Amokläufe befassen kann. Ich halte es jedoch für falsch, Ursachen im medialen Bereich zu suchen.


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