Durchgelesen: Der Armageddon-Zyklus von Peter F. Hamilton

Kategorie: Filme & Bücher     Autor: lin0x     Datum: Sonntag 18 Januar 2009     Uhrzeit: 01:55          

Folgender Artikel wurde von mir auf pamaxx.de am 18.04.2007 veröffentlicht.

Ich muss mir immer wieder selbst gegenüber eingestehen, dass ich in Sachen Filme und Bücher nur sehr schwer zufrieden zu stellen bin. Es muss schon etwas besonderes sein, damit ich mir etwas mehrmals zu Gemüte führe.

 

Vor einigen Monaten mangelte es aber leider an solchen Dingen, die meisten aktuellen Filme waren das Eintrittsgeld im Kino nicht wert und diese neuen „politischen“ Bücher (wie z.B. „Warum der halbe Staat in ganz böse Verschwörungen verstrickt ist“, oder so etwas in der Art) haben mich nicht wirklich angesprochen. Es war also wieder Zeit, zu einem Bekannten zu gehen und mich ein wenig beraten zu lassen: „Was ist wirklich lesenswert“? Es sollte ein Science-Fiction Buch sein, welches mit einer gut durchdachten Hintergrundgeschichte, viel Spannung und möglichst abgefahrener Technik aufwarten kann. Man empfahl mir sofort den Armageddon-Zyklus (englisch: Nights Dawn Trilogy) von Peter F. Hamilton, der in deutscher Sprache immerhin 6 Bände (sowie eine Kurzgeschichtensammlung) zu je neun Euro umfasst.

Aber in Ordnung, gute Unterhaltung darf mich ruhig etwas kosten.

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Nach dem Erhalt des Paketes mit den ersten 3 Bänden fing ich, trotz einiger lästiger Pflichten, sofort mit dem Lesen an. Und siehe da, man fühlt sich sofort wohl in dem von Peter F. Hamilton geschaffenen Universum. Die Charaktere kommen glaubhaft sowie unglaublich interessant rüber, wobei dem Protagonisten Joshua Calvert an einigen Stellen übertrieben viel Glück und Zuneigung widerfährt. Aber erstmal zur Beschreibung des eigentlichen Inhaltes:

 

Im Jahre 2600 AD lebt die Menschheit zerstreut auf hunderten von Planetenkolonien.

Sie haben sich dabei genetischen Modifikationen unterzogen, ihr Gehirn mit winzigen Computern verbunden und sich gesellschaftlich in zwei große Gruppierungen separiert.

Diese zwei Fraktionen sind einmal die Adamisten, welche man als die „gewöhnlichen“ Menschen betrachten kann – sie bilden die Mehrheit der menschlichen Bevölkerung.

Dann gibt es da noch die Edeniten, auf die Hamilton in seinen Büchern besonders viel Wert liegt. Die Edeniten sind mittels „Affinität“ mit ihrer technischen und semiorganischen Umgebung, also den Habitaten, Raumschiffen und anderen Dingen, sehr stark verbunden. Der Autor beschreibt das Verhältnis mittels dieser Affinität als sehr emotional und intensiv, was der Geschichte zusätzlich Tiefe verleiht.

Die Adamisten und die Edeniten sind in ihren Überzeugungen und Ideen grundsätzlich verschieden, bekriegen sich aber nicht untereinander. Man lebt friedlich miteinander, wobei man sich auf manchen Planeten mal respektvoller, mal mit viel Abscheu begegnet. Aber doch sind es die Edeniten mit ihren Habitaten (Habitat = Wohnmöglichkeit für viele Menschen, meist im Weltraum), die am meisten vom Handel zwischen den interstellaren Zielen profitieren.

Mit Hilfe der Affinität ist es gelungen, die ohnehin schon weit entwickelte Technologie um lebende – also sich selbst bewussten – Objekte zu erweitern. Diese wären zum einen die Habitate, in denen zahlreiche Menschen wohnen und miteinander kommunizieren. Meist halten die Bewohner über Implantate kontinuierlich Kontakt zu einen der „Bewusstseine“ des Habitats und interagieren miteinander. Die riesigen semi-organischen Gebilde kontrollieren nämlich die gesamte Umgebung, sind aber jedoch einen oder mehreren Edeniten verpflichtet.

Ähnlich verhält es sich mit den Raumschiffen, sie sind ebenfalls semi-organisch und sich ihrer bewusst. In jedem dieser Gebilde befinden sich ausgeprägte Charaktere, die mit Hilfe von nahezu unendlich vielen „Unterbewusstseinen“ komplizierteste Aufgaben wahrnehmen können. Nur mit ihrer Hilfe ist es möglich, Sprünge durch den Hyperraum oder komplexe Manöver durchzuführen.

Die Edeniten leben in einer emotional symbiotischen Beziehungen zu ihren Partnern, denn sie werden gleichzeitig geboren und sehen somit dem anderen beim aufwachsen zu……  ja, richtig, in Hamiltons Romanen wachsen auch die Habitate und Raumschiffe.

Durch das langjährige Miteinander entstehen starke Verbindungen und in den meisten Fällen führt der Tod eines Partners auch zum Tod des anderen.

 

Soweit so gut, Hamilton hat sich sehr viel Mühe gegeben, all diese Dinge bis ins kleinste Detail genau zu beschrieben. Immer wieder betont er die Mensch-Technik Beziehungen und weit ihr neben der Handlung und den Romanfiguren eigentlich die höchste Priorität zu.

Die Menschheit ist also im Jahre 2600 AD mit den oben genannten Errungenschaften sehr weit gekommen, Probleme wie Kriege, Krankheiten oder Armut sind nahezu vollständig ausgemerzt. So kommt es, dass schließlich auf die Forschung an Waffen und großen Militärstrategien eingestellt wird. Außer der konföderierten Navi gibt es keine größere organisierte Vereinigung, die Planten beschützt und den Frieden wahrt.

Doch in genau jener Zeit tritt ein Feind auf, den man bis dato nicht kannte: die „Besessenen“. Diese Entitäten sind einfach ausgedruckt Seelen, welche aus dem Jenseits durch Anomalien von den noch lebenden Menschen besitz ergreifen und ihnen übernatürliche Kräfte verleihen können.

Hamilton beschreibt das Jenseits als kalt, grausam und als ein Ort des unendlichen Grauens – nur verständlich, dass die Seelen der Verstorbenen in Scharen in das normale Raum-Zeit Kontinuum drängen und möglichst viel Macht ausüben wollen.

Es dauert eine Weile, bis die Figuren in den Romanen verstehen, wem sie da gegenüber stehen. Schnell ist klar, dass konventionelle Waffen keine Wirkung haben, schließlich können sich die befallenen Körper dank außergewöhnlicher Kräfte selbst heilen und unglaublich starke energetische Kräfte freisetzen, die ebenfalls destruktiv eingesetzt werden können.

So kommt es nun zu einem Krieg, in dem der Pilot Josha Calvert, einige andere wichtige Charaktere und die lebenden semi-organen Technikgebilde die Hauptrolle spielen. Es gibt zahlreiche Schlachten um ganze Plantenverbände, ausgeklügelte taktische Schachzüge und vielen technischen Krimskrams, was den Armageddon-Zyklus mit reichlich Unterhaltungswert ausstattet. 

Neben den typischen Elementen einer Space Opera ist dem Autoren allerdings auch so manche existenzielle Frage wichtig: wenn man nun zu der Erkenntnis gelangt ist, dass Tote wieder in das normale Universum zurückkehren können… sind dann Religionen mit all ihren paradiesischen Versprechungen noch notwendig? Kann man verstorbene Verwandte nicht irgendwie zu den Lebenden zurückholen? Wachen die Ahnen im Jenseits über uns?

Diese und viele weitere Fragen beantwortet er mit Hilfe von parallel verlaufenden Handlungssträngen und greift dabei historische Geschehnisse humorvoll auf. Super beschrieben ist hier die Rückkehr von Al Capino, der sogleich mafiöse Strukturen auf einen der neu besiedelten Planteten einführt und schließlich auch zu einer Gefahr für die Menschen wird. Herrlich!

 

Obwohl die 6 Bücher (und eben eine Kurzgeschichtensammlung) mit über 600 Seiten pro Ausgabe sehr lang sind und sich so manche Szene viel zu sehr hinzieht, macht es einen riesen Spaß, alle Bücher zu lesen. Jeder einzelne Band ist sein Geld wert und übt eine große Faszination auf den Leser aus.

Zwar gibt es hier und da einige Übersetzungsfehler (und in meinen Büchern fehlen sogar ganze Absätze, da die ganze Auflage nur in mittlerer Druckqualität angefertigt wurde, vieles ist da leider nicht richtig lesbar), aber die relativ einfach gehaltene Sprache erlaubt auch jüngeren Science-Fiction Fans ein großartiges Lesevergnügen – wenn die Eltern denn das Lesen überhaupt erlauben. Ab und an sind detailliertere Geschehnisse mit sexuellen Aktivitäten beschrieben, was bei so manchem aufmerksamen Elternteil wohl auf Gegenwehr stoßen könnte.

 

Fazit:

Ich habe jede einzelne Seite genossen und bin selbst nach Monaten immer noch fasziniert von dieser komplexen Geschichte. Zahlreiche Handlungsstränge mit völlig verschiedenen Personen/Orten/Technologien gestalten das Lesen sehr abwechslungsreich und halten (zumindest mich) einen selbst nach Stunden immer noch an das gemütliche Bett gefesselt. Mit Ausnahme einiger viel zu langen Passagen und dem leicht zähen Einstieg in die Saga kann man das gesamte Werk wohl nicht besser verfassen. Von mir gibt es definitiv 94 Prozent Wertung.

 

Wertung: 94 Prozent

Bänder (deutsche Ausgaben): Der Armageddon-Zyklus

- Die unbekannte Macht

- Fehlfunktion

- Seelengesänge

- Der Neutronium Alchimist

- Die Besessenen

- Der nackte Gott

- Optional: Zweite Chance auf Eden (Sammlung von Kurzgeschichten aus diesem Universum)

 

Link zur Autorenwebseite: http://www.peterfhamilton.co.uk/

Link zur Onlinebestellung der Bücher: Wir empfehlen bol!  http://www.bol.de

 

Anmerkung: Ich schreibe den Artikel bewusst aus meiner Sicht, schließlich kann ich euch nur meine Eindrücke weiter geben und keine neutrale Bewertung abgeben, dafür gefällt mir das Buch viel zu gut. Bitte habt auch dafür Verständnis, dass die Handlung nur kurz beschrieben werden kann.


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