Der Mond-Wahn: Wie sinnvoll sind neue unbemannte Reisen zum Erdtrabanten?
Folgender Artikel wurde von mir auf pamaxx.de am 16.09.2007 veröffentlicht.
Am 14. September 2007 schoss Japan seine Mondsonde „Selene“ in den Himmel und gab damit den Auftakt zu einem neuen globalen Wettlauf zum Mond, denn auch China, Indien, Russland, Deutschland, England und die USA planen ihre eigenen Missionen. Wie passend, dass auch Google kürzlich ein Mond-Rennen mitsamt Preisgeld ins Leben gerufen hat. Doch wie sinnvoll sind neue unbemannte Reisen zu einem Himmelskörper, der bereits vollständig abgelichtet wurde und zumindest teilweise erforscht ist?
Schon der erste Mensch war vermutlich fasziniert von dem hellen Himmelskörper, der nachts am Himmel erstrahlt. Nicht weniger faszinierend war es für die Menschheit, als 1969 der erste Zweibeiner den Mond betrat. Seit dem gab es mehrere unbemannte Ausflüge, die allesamt Bilder oder Gesteinsproben des Trabanten zur Erde lieferten. Sogar ein Seismograph, der jährlich über 500 Beben auf dem Mond registriert, wurde von Apollo 11 zurück gelassen. Wir wissen über die Masse, Zusammensetzung und Atmosphäre des Mondes bescheid. Uns sind die dortige Schwerkraft sowie die meisten geologischen Formen auf der Oberfläche bekannt, und doch streben zahlreiche Institutionen und Länder neue Missionen zum Mond an.
Die NASA will beispielsweise 86 Milliarden Euro für eine bemannte Basis auf dem Mond ausgeben, Deutschland will bis 2012 einen rund 500 Millionen Euro schweren Ausflug starten und die Kosten für weitere Sonden, die lediglich schärfere Bilder schiessen oder Höhenkarten erstellen sollen, wurden bisher noch gar nicht veröffentlicht.
An dieser Stelle muss man sich die Frage gefallen lassen, ob detailliertere Informationen über den Erdmond solche hohen Kosten rechtfertigen. Was erwartet man sich von besseren Kenntnissen über die Oberfläche, was bringt der Menschheit eine bemannte Station auf dem Mond, die angeblich als Sprungbrett für weitaus größere Weltraumausflüge dienen soll? Und wer soll diese größeren Missionen bezahlen?
Fakt ist, dass man vom Mond viele Dinge lernen kann. Fakt ist aber auch, dass auf unserem Planeten immer noch Millionen von Menschen an heilbaren Krankheiten, Hunger oder Konflikten sterben. Sind die Milliarden in Mondmissionen also wirklich gut angelegt?
Bisher hat man seitens der Raumfahrtagenturen keine überzeugenden Gründe liefern können, welche weitere Missionen und deren Bezahlung auch nur annähernd plausibel erklären. Sicher ist jedoch, dass in den kommenden Jahren dennoch weitere Sonden starten werden – und alles wird vom Bürger bezahlt.